Gepostet von am 16. November 2007 in langgemachtes | Keine Kommentare

Heute habe ich bei wildbits den Artikel „Noch gut lachen" gelesen.

Na klar habe ich Verständnis, dass der Streik die vielen Pendler nervt. Ich würde auch lieber fahren, aber wenn der Vorstand sich wie ein störrisches Kind hinstellt, auf Verweigerung schaltet und glaubt, die Sache aussitzen zu können, was bleibt einem da übrig.

Da wird man von der Personalvorstandschefin Suckale schon mal als „Knöpfchenbediener" tituliert oder von der Bahn als „Terrorist" dargestellt. Wie sonst soll ich mir Sprüche wie „…eine Minderheit terrorisiert ganz Deutschland…" erklären.

Es ist schon jämmerlich für einen Global Player, wenn man von seinen Vorgesetzten derart beleidigt wird. Was aber viel schlimmer ist, ist die Tatsache, dass im Vorstand scheinbar keiner so richtig weis, was ein angestellter Lokführer verdient. Von den verbeamteten Lokführern mal abgesehen.

Das die Forderung von 31 Prozent ohnehin nicht durchsetzbar ist, dürfte allen Beteiligten klar sein. Der Knackpunkt ist und bleibt der eigenständige Tarifvertrag. So ist es im Übrigen in der Moderatorenverhandlung zwischen Schell, Geißler, Mehdorn und Biedenkopf vereinbart worden. Aber wenn es nicht nach der Fasson von Mehdorn geht, dann geht es eben gar nicht.

Da klagt man sich lieber durch alle Instanzen, versucht das verfassungsmäßig garantierte Streikrecht auszuhebeln und heult der Bundeskanzlerin Merkel was vor. Bei den Ärzten und den Piloten habe ich so eine Schlammschlacht jedenfalls nicht gesehen.

Die Zusammenarbeit mit den anderen beiden Gewerkschaften hat sich letztlich immer als nutzlos für das Fahrpersonal erwiesen. Wie soll auch eine Gewerkschaft, die überwiegend Bürokraten organisiert, die morgens halb acht ins Büro gehen und halb fünf wieder verschwunden sind, die 40 Stunden die Woche arbeiten (Fahrpersonal arbeitet 41 Stunden die Woche), die ab Freitag nachmittag ins Wochenende gehen (Wochenende beginnt beim Fahrpersonal erst Samstags ab 14 Uhr) und noch bedeutend höhere Entgeltstufen wie ein Lokführer haben, sich noch um die speziellen Belange des Fahrpersonals kümmern?

Ich lasse mich jedenfalls nicht mit den Büroleuten in einen Topf werfen, dazu sind die Bedingungen des Fahrpersonals viel zu unterschiedlich.

Von dieser Scheiße hat nun das Fahrpersonal endgültig die Schnauze voll. Seit 1999 haben wir ein Reallohnverlust von knapp 10 Prozent hingenommen. Wir haben immer wieder auf drastische Lohnsteigerungen verzichtet und sind so dem Unternehmen Bahn entgegen gekommen.

Inzwischen hat der Personalabbau bei den Lokführern solche Ausmaße erreicht, dass einige Kollegen seit Jahren an die 1.000 Überstunden, in Worte: tausend, vor sich herschieben.

Da wirkt das Angebot der Bahn von 10 Prozent plus 2 Stunden Mehrarbeit pro Woche wie ein Hohn.

Dann noch eine Sache zu den unterschiedlichen Tarifabschlüssen der GDL bei den anderen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU). Es beklagen sich einige Leute, weshalb die Gewerkschaft bei der EIB und der AKN nur solch geringe Lohnforderungen stellen.

Bei einem Unternehmen wie der EIB beispielsweise, die mal gerade 15.000 oder 16.000 Euro Gewinn letztes Jahr gemacht hat, wäre eine Forderung von 31 Prozent existenzbedrohend. Dieses Unternehmen würde Pleite gehen. Die Forderungen richten sich u.a. nach dem erzielten Gewinn. Die Relationen müssen stimmen.

Im Gegensatz dazu, stiegen die Erträge bei der Bahn seit 2003 kontinuierlich an.

Diagramm zur Ertragskraft der DB AG
Quelle: Deutsche Bahn AG | Diethelm Sack (Zahlen bis 2003 nach HGB)

Mich wundert immer wieder, dass viele Leute darüber reden, aber im Grunde genommen überhaupt nichts wissen.

Wenn ein Doktorand 2.300 Euro Brutto verdient, dann ist er noch gut dran. Ich habe mal wahllos eine Gehaltsabrechnung herausgegriffen und eingestellt. Dann kann sich ja jeder selbst davon überzeugen, dass ich mit Sicherheit nicht so gut verdiene, wie es die Bahn immer behauptet.

Gehaltsabrechnung

Mir stellt sich ohnehin die Frage, warum ein Akademiker immer mehr als ein Arbeiter verdienen muss. Körperliche Arbeit oder konzentriertes Fahren über Stunden und zu Zeiten, wo sich die meisten Leute gerade in ihrer Tiefschlafphase befinden sollte wohl genauso gut honoriert werden.

Es hat schon seine Gründe weshalb viele Lokführer, mich eingeschlossen, an Schlafstörungen und an Herz-Kreislauf-Problemen leiden.

Wir möchten lediglich das was uns zusteht, nicht mehr und nicht weniger.

Die Leute, die über diese Streikaktionen meckern, sollten sich mal fragen, warum in diesem Land Lohndumping betrieben wird. Die Konzerne verdienen Milliarden und die Vorstände bedienen sich maßlos auf Kosten der kleinen Leute.

Bestes Beispiel: die Stromkonzerne. Der Bürger spart Energie wie verrückt, dann drehen die kurzerhand die Preise hoch, alle sind am schimpfen und letztendlich zahlen sie doch.

Das der Streik der GDL nun mal kein reiner Selbstzweck ist und sie mit Sicherheit auch kein

Kindergartenfest feiert

dürfte jedem klar sein.

Die GDL, die älteste Gewerkschaft Deutschlands, macht wenigsten was gegen Lohndumping und setzt mit diesem Streik ein klares Signal und ich hoffe, dass andere Gewerkschaften endlich mal nachziehen.

Wie gesagt, alle sind am meckern, aber keiner hat den Mumm etwas dagegen zu tun.

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Autorfoto
Oliver Konow
Ich bin 50 und beruflich dem Hochgeschwindigkeitsverkehr verfallen. Die Fotografie ist mein Hobby und Reisen meine Leidenschaft. Darüber hinaus interessieren mich Fraktale sowie die Astronomie.

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