Gepostet von am 12. September 2018 in privates | Keine Kommentare

Heute ist der entscheidende Tag.

Meine Kleidung für den Aufstieg besteht aus zweimal lange Merino-Unterwäsche, zwei Paar Socken, meinen drei Hemden, meiner warmen Trekkinghose, einer Fleece- und Daunenjacke, dem Halswärmer sowie meiner Nepalmütze.

Der Inhalt meines Rucksacks beschränkte sich auf einen Drei-Liter-Wassersack, Toilettenpapier, Sonnencreme sowie der Kamera und dem iPhone.

Eigentlich wollte ich noch den Gimbal mitnehmen, aber am Ende war ich über jedes fehlende Gramm dankbar.

Der Aufstieg zum Gilman‘s Point (5.685 m) verläuft über Lockergestein, bei dem ich bei jedem Schritt wegrutschte und so zusätzlich Kraft kostete und über Felsen bei dem ich mir im Schein der Stirnlampe genau überlegen musste, wohin ich trete.

Gilman's Point - 5.685 m

Gilman's Point – 5.685 m

Leider hat es einmal nicht geklappt und ich rollte etwa ein bis zwei Meter wieder hinunter. Zum Glück ist nichts passiert.

Die Episode, wie ich in 5.000 m Höhe mein Geschäft verrichtete und mir der eiskalte Wind um meinen Allerwertesten wehte, möchte ich Euch lieber ersparen.

In dieser zwischen 50 und 60 Grad steilen Wand kamen mir immer wieder Zweifel, ob ich diesen kräftezehrenden Aufstieg gewachsen bin.

Aber dann wurde mir schlagartig klar, dass Aufgeben für mich keine Alternative war. Ich muss allerdings sagen, dass Scheitern an diesem Berg keine Schande ist.

Diejenigen, die diese Coca-Cola-Route als einfach bezeichnen, haben wahrscheinlich nie diesen Berg bestiegen, denn der letzte Anstieg ist von allen Seiten gleich steil und erfordert eine top Fitness.

Am Gilman‘s Point machte ich eine kurze Pause, um Wasser zu trinken und etwas zu essen.

Etwas später erreichten wir in 5.756 m den Stella Point. Ab hier verlief die Route flacher und entlang dem Krater.

Stella Point - 5.756 m

Stella Point – 5.756 m

Trotzdem musste ich mich über steile Anstiege hinauf- und kaum zu durchschreitendes Büßereis hindurchquälen.

Um 6:10 Uhr war es geschafft, ich stand auf dem höchsten Berg Afrikas, dem Kilimanjaro.

Die höchste Erhebung des Mt. Kibo, der Uhuru Peak, auch Freiheitsgipfel genannt, hat eine Höhe von 5.895 m.

Uhuru Peak - 5.895 m

Uhuru Peak – 5.895 m

Ich war so glücklich über meinen gelungenen Aufstieg und so fertig, als ich an den Abstieg mit all seinen Qualen denken musste.

Büßereis im Sonnenaufgang

Büßereis im Sonnenaufgang

Nicht nur der Auf- sondern auch der Abstieg erfordern höchste Konzentration und viel Kraft.

Blick zum Gletscher und Büßereis

Blick zum Gletscher und Büßereis

Etwa gegen elf Uhr war ich mit mehreren Trink- und Rastpausen, bei dem ich mit jedem größeren Stein eine individuelle Beziehung einging, zurück am Kibo Hut.

Blick in den Krater

Blick in den Krater

Nach einer kurzen Teepause begann ich den Abstieg zum Horombo Hut, wo wir gegen 14 Uhr eintrafen.

Kurz danach aß ich mit dem Team kurz Mittag. Wir unterhielten uns und hörten gemeinsam Musik.

Um 18 Uhr machte Michael das Abendessen und danach fiel ich erschöpft aber zufrieden in meinen Schalfsack.

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Autorfoto
Oliver Konow
Ich bin 51 und beruflich dem Hochgeschwindigkeitsverkehr verfallen. Die Fotografie ist mein Hobby und Reisen meine Leidenschaft. Darüber hinaus interessieren mich Fraktale sowie die Astronomie.

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