Gepostet von am 9. Oktober 2008 in kurzgeschichten | 3 Kommentare

Nun suche ich schon seit einer halben Stunde dieses gottverdammte Buch. Es ist einfach nicht zu finden. Verdammt noch mal. Ich frage die Bibliothekarin. Sie sieht im PC nach und dann sagt Sie mir, daß das Buch gestern für sechs Wochen ausgeliehen wurde.

„Toll, einfach toll", denke ich, „jetzt brauche ich dringend dieses Buch und nun ist es für sechs Wochen ausgeliehen."
Jetzt bin ich sauer, ganz schön sauer. Ich irre durch die Bücherregale, immer in der Hoffnung, das Buch doch noch zu finden. Ich sehe mir jeden Buchrücken ganz genau an. Nichts, aber auch gar nichts. Zwischen den dicken Wälzern finde ich ein dünnes, fast unscheinbares Buch. Es ist abgegriffen und die Schrift nicht mehr zu lesen. Ich schlage es irgendwo in der Mitte auf und sehe eine Menge Bilder. Bei genauerer Betrachtung stelle ich fest, dass es Kinderzeichnungen sind. „Nanu, was sucht so ein Buch zwischen diesen Fachbüchern?" Ich blätter ein paar Seiten weiter, dabei fällt mir eine Zeichnung ins Auge. Eine lustige Zeichnung, ein Kind von 5 Jahren hat sie gemalt. Ich muss schmunzeln.
Plötzlich schrecke ich hoch, irgend jemand hat geniest. Ich sehe auf die Uhr, oh Gott, schon so spät. Eine geschlagene Stunde habe ich mir dieses Buch angesehen. Ich stelle es zurück und gehe. Vielleicht habe ich heute mehr gefunden, als ich gesucht habe.

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Oliver Konow
Ich bin 51 und beruflich dem Hochgeschwindigkeitsverkehr verfallen. Die Fotografie ist mein Hobby und Reisen meine Leidenschaft. Darüber hinaus interessieren mich Fraktale sowie die Astronomie.

3 Kommentare

  1. 9. Oktober 2008

    Die Quintessenz (schreibt man das so??) dieses Beitrages ist wirklich klasse, Hut ab! ;-)

  2. 9. Oktober 2008

    Du sollst doch nicht immer Pornos in der Bücherei lesen!

  3. 9. Oktober 2008

    @Kopfschüttler
    Das hast Du richtig geschrieben. Diese kleinen Begebenheiten machen einen unscheinbaren Moment zu etwas besonderen.

    @Bjoern
    Die Idee mit den Pornos ist nicht schlecht. Dann würden wohl mehr von den Pisageschädigten in der Bücherei zu finden sein.

    Heißt ja nicht umsonst: Lesen bildet!

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