Gossenjournalismus

Gepostet von am 25. Juli 2010 in kurzgefasstes | Keine Kommentare

Das am Samstag bei der Loveparade 19 Menschen auf tragische Weise ihr Leben verloren, macht betroffen und die Geschehnisse für jeden unbegreifbar.

Was mich allerdings so richtig zur Weißglut brachte, war die Tatsache, wie die Bild mit diesen Ereignissen umging. Das sie ein niveauloses Schmierenblatt par excellence ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Das sie mit der Fotoveröffentlichung der abgedeckten Leiche eines jungen Ravers derart in die Geschmacklosigkeit abgleitet, ist selbst für ein Blatt wie diesem, ein Höhepunkt journalistischer Dilettanz.

So konnte ich gestern aus vielen Tweets zur herausgebrachten Fotostrecke Unverständnis herauslesen, aber auch bei Kollegen, die heute morgen diese Zeitung aufschlugen. Die Zurschaustellung dieses leblosen, auf dem Boden liegenden Körpers lässt jegliches Feingefühl der verantwortlichen Journalisten vermissen. Es offenbart die Art und Weise, wie dieses Blatt mit der Würde und Achtung des Toten umgeht und zeigt keinerlei Respekt dessen Angehörigen gegenüber, die nun mit dieser Tragödie leben müssen.

Sensationsgier und Kommerz stehen an erster Stelle, zum Teufel mit Moral und Anstand.

Journalistisch fundierte Berichterstattung sieht anders aus und deshalb sah ich mich genötigt, eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen den Pressekodex beim Presserat einzureichen.

Es wird Zeit, diese Art von Gossenjournalismus aus unserem Tagesgeschehen zu verbannen.

Update: Hier könnt Ihr Euch die Entscheidung des Beschwerdeausschusses gegen BILD-Online durchlesen: Beschwerdesache 0527/10/1-BA

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