Gepostet von am 28. März 2012 in kurzgefasstes | 2 Kommentare

Gemüse

Gestern sah ich auf Arte die Dokumentation "Nie wieder Fleisch?" und war ehrlich gesagt schockiert. Schockiert deshalb, weil der Film zeigt, wie und wo unser Fleisch herkommt, wie es gemacht wird und wer an dieser industriellen Massenfabrikation letztlich die Leidtragenden sind.

Angesichts der erschreckenden Zustände in der Massentierhaltung sowie den menschenverachtenden Praktiken der Agrarkonzerne ist mir der Appetit auf Fleisch restlos vergangen. Ich habe keine Ahnung wie lange das aufgeklärte Europa noch tatenlos zusehen will, wie Tiere und Menschen für unseren täglichen exorbitanten Fleischkonsum leiden müssen.

Zudem maßen wir uns in unserer arroganten Art an, jährlich geschätzte 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf den Müll zu werfen, während woanders Menschen Hunger leiden.

Hier meine Gründe, weshalb man gut und gerne auf Fleisch verzichten kann:

  1. weil durch unkontrolliertes Verfüttern von Antibiotika zur Wachstumsbeschleunigung multiresistente Bakterien entstehen und das Behandeln von Krankheiten erschweren bzw. unmöglich machen,
  2. weil der übermäßige Fleischkonsum verantwortlich für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Übergewicht, Diabetes und Gicht ist sowie im Verdacht steht Krebs auszulösen,
  3. weil die Agrarkonzerne in Südamerika auf ihren riesigen Sojaplantagen zum Herstellen des Futtermittels massenweise Pestizide einsetzen und damit Böden und Grundwasser vergiften,
  4. weil Bauern von Agrarkonzernen gezwungen werden ihr Land aufzugeben und von diesem mit Polizeigewalt vertrieben werden,
  5. weil durch den Pestizideinsatz die Rate schwerer Missbildungen bei Säuglingen stark zugenommen hat,
  6. weil die Agrarsubvention der EU für die Landwirtschaft, die mehr als 40% des Gesamthaushalts ausmachen (2010), die Preise für Fleisch künstlich verbilligen und nicht dem realen Marktwert widerspiegeln,
  7. weil subventioniertes Geflügel-, Rind- und Schweinefleisch nach Afrika exportiert wird, wodurch den Kleinbauern und Hirten ihre Existenzgrundlage entzogen wird und sie letztlich von Hilfsleistungen abhängig werden,
  8. weil bei der Massentierhaltung sehr viel Methangas entsteht, das sich negativ auf die Umwelt auswirkt,
  9. weil das übermäßige Ausbringen von Gülle die Böden schädigt und zur erhöhten Nitratkonzentration im Grundwasser führt,
  10. weil das Verfüttern von Soja unwirtschaftlich ist und es als Eiweißlieferant Fleisch durchaus ersetzen könnte,
  11. weil Massentierhaltung Tierquälerei ist,
  12. weil die Art und Weise der Fleischherstellung ethisch und moralisch für eine moderne und aufgeklärte Gesellschaft nicht mehr vertretbar ist und
  13. weil auch Tiere das Recht auf Leben haben.

Natürlich sollt Ihr jetzt nicht alle auf Fleisch verzichten, nein ganz und gar nicht. Ein kritischer Blick, ob das Fleisch aus artgerechter und nachhaltiger Produktion kommt, ist aber durchaus angebracht. Abgesehen davon zeigt die überaus reichhaltige indische Küche, dass es auch ohne geht.

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Autorfoto
Oliver Konow
Ich bin 53 und beruflich dem Hochgeschwindigkeitsverkehr verfallen. Die Fotografie ist mein Hobby und Reisen meine Leidenschaft. Darüber hinaus interessieren mich Fraktale sowie die Astronomie.

2 Kommentare

  1. Icon Welt
    14. April 2012

    Ich glaube wichtig ist dass wir uns generell wieder bewusst machen wo unsere Nahrung herkommt.
    Das gilt nicht nur für Fleisch sondern fängt schon bei der ständigen Verfügbarkeit sämtlicher Obst- und Gemüsesorten zu jeder Jahreszeit an.

    Und streng genommen geht es auch außerhalb der Lebensmittelbranche weiter. Ich behaupte mal, dass kaum noch einer den Wert seiner Kleidung wirklich wahrnimmt. Da werden T-Shirts für 5 Euro verkauft. Dafür bekommt man in Deutschland gerademal das Material. Und da wurde es noch nicht zugeschnitten, genäht, verpackt, in einem Laden präsentiert, die Verkäufer und die Ladenmiete bezahlt, …

    Bewusster Leben ist das Stichwort. Ich verzichte nicht auf Fleisch. Ich weiß aber, welchen Wert es hat, und der liegt nicht allein bei dem Preis, den ich im Geschäft dafür zahle, sondern auch im verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen. Sowohl materielle Ressourcen, als auch Arbeitskräfte und moralische Werte.

  2. Icon Oliver
    14. April 2012

    Ganz darauf möchte ich auch nicht verzichten, aber ich achte bewusster darauf wo es herkommt und bin auch bereit einen höheren Preis dafür zu zahlen. Nur ein nachhaltiger und verantwortungsvoller Umgang mit den begrenzten Ressourcen kann auf Dauer unsere Existenz sichern. Ansonsten kann ich Dir nur beipflichten.

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