Gepostet von am 12. Juli 2010 in blogfeuilleton | Keine Kommentare

Die Wahlfrauen und Wahlmänner sind frei in ihrer Entscheidung. Druck wurde nicht ausgeübt.

Diese oder ähnliche Sätze bekam der Bürger nach der Wahl des Bundespräsidenten öfter zu hören. Meines Erachtens nach etwas zu oft, als hätte man was zu verbergen.

Natürlich ist jeder frei in seiner Entscheidung, aber man möchte sich doch bitte an parteiinterne Absprachen halten. Wo kämen wir denn hin, wenn jeder macht, was ihm sein Gewissen rät.

Sicherheitshalber, um ja nicht auf die Schnauze zu fallen, wurden Seitens der CDU/CSU erst gar keine Wähler aus der Bevölkerung verpflichtet, zu unberechenbar, zu frei. Man setzte lieber auf parteikonforme Mitläufer.

So geriet die Wahl des Bundespräsidenten letztlich ins Machtkalkül der schwarz-gelben Bundesregierung, die dieser Wahl nicht nur jedwede Würde nahmen, schlimmer noch, sie entzog sich auch der breiten Basis der Bürger.

Die Präsidentenwahl verkam zum Possenspiel innerparteilicher Querelen, bei dem nicht nur Merkels Gesichtszüge entgleisten, sondern ihre Führungslosigkeit aus den eigenen Reihen abgestraft wurde.

Die Nominierung von Joachim Gauck durch die SPD erwies sich als geschickter Schachzug und trieb der schwarz-gelben Regierung die Zornesröte ins Gesicht. Ausgerechnet ein Mann, der nicht nur Merkels Sympathie genoss, sondern bei den Bürgern auch noch gut ankam.

Aus purer Hilflosigkeit wurde nun ein Kandidat aus dem Hut gezaubert, den man wie eine Kollekte durch die Masse der Bevölkerung reichte, in der Hoffnung, dass sie sich mit Sympathiepunkten fülle.

Merkel und ihr Anhängsel Westerwelle hätten gemeinsam mit SPD und Grüne auf Gauck zu setzten sollen, so wären ihr drei Wahlgänge erspart geblieben und sie hätte ihr Gesicht gewahrt.

So aber bleibt der bittere Beigeschmack, dass der mündige Bürger wieder einmal außen vor bleibt und keine Beachtung findet. Es offenbart aber zugleich, dass das System der Wahl des Bundespräsidenten überholt ist und dringend überarbeitet werden muss, um der Bevölkerung mehr politische Mitsprache einzuräumen.

Der Bundespräsident ist schließlich eine Person, der die breite Masse der Bürger repräsentieren und für sie sprechen soll. Das sollte sich die schwarz-gelbe Regierung endlich ins Bewusstsein rufen. Es wird Zeit, dass man dieser Regierung mehr auf die Finger schaut.

Artikel getaggt mit , ,

Autorfoto
Oliver Konow
Ich bin 52 und beruflich dem Hochgeschwindigkeitsverkehr verfallen. Die Fotografie ist mein Hobby und Reisen meine Leidenschaft. Darüber hinaus interessieren mich Fraktale sowie die Astronomie.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.