Gepostet von am 13. November 2009 in kurzgefasstes | 3 Kommentare

Ich habe überlegt, ob ich was zum Suizid von Robert Enke schreiben soll oder nicht. Aber gerade als Lokführer betrachte ich diesen Fall von einer etwas anderen Position aus und meine Sichtweise wird den Einen oder Anderen sicherlich nicht gefallen.

Für mich ist der Suizid von Robert Enke in keiner Weise nachvollziehbar und ich betrachte seinen Freitod als ausgesprochen feige.

Sicherlich ist seine Krankheit, unter Depressionen zu leiden, nicht einfach zu handhaben, insbesondere nicht für seine Frau und seiner Adoptivtochter, und auch der Tod seiner leiblichen Tochter wird ihm schmerzhaft zugesetzt haben, aber von Robert Enke hätte ich offengestanden mehr Rückgrat erwartet sich in eine Klinik zur Behandlung einweisen zu lassen und offen damit umzugehen, als Energie darauf zu verwenden, sie geheim zu halten.

Sich mit dem Freitod so aus der Affäre zu ziehen ist feige, nicht nur seiner Frau und Tochter gegenüber, die nun mit dem tragischen Verlust fertig werden müssen, sondern auch gegenüber dem Lokführer, der einerseits erst als Täter instrumentalisiert und anschließend als Opfer psychologische Hilfe in Anspruch nehmen muss. Auch das Zugpersonal, die zur Ersten Hilfe verpflichtet sind, hätten sich den Anblick eines bis zur Unkenntlichkeit zuerschmetterten Körpers lieber erspart.

Gerade ein Suizid oder Personenunfall, wie er auch genannt wird, verläuft für den Lokführer meist anonym. In diesem Fall handelt es sich aber um eine öffentliche Person. Diese Tatsache allein macht das psychologische Verarbeiten dieses Traumas für den Lokführer besonders schwer.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Medien. Ihre intensive und teilweise sensationslüsternde Berichterstattung zum tragischen Tod Enkes, zieht in den meisten Fällen einen Anstieg der Selbsttötung (Werther-Effekt) nach sich. Das ist für alle Lokführer ein nicht gerade angenehmer Umstand, denn sie müssen zeitlebens mit diesen Traumata leben.

Fazit: Ein Suizid ist feige und eine Flucht vor dem eigentlichen Problem.

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Oliver Konow
Ich bin 51 und beruflich dem Hochgeschwindigkeitsverkehr verfallen. Die Fotografie ist mein Hobby und Reisen meine Leidenschaft. Darüber hinaus interessieren mich Fraktale sowie die Astronomie.

3 Kommentare

  1. Icon Welt
    15. November 2009

    Volle Zustimmung. Genau so sehe ich das auch.

  2. Icon Welt
    15. November 2009

    Sehe ich auch so, deshalb kann ich auch die ganze Lobhudelei in den Medien nicht nachvollziehen. Enke hätte, wenn er zu seiner Krankheit gestanden hätte, als Nationaltorwart und Großverdiener deutlich bessere Chancen auf eine gute Behandlung gehabt als andere an Depressionen Erkrankte. Aber er war zu feige, um zu seiner Krankheit zu stehen, wollte lieber den Schein wahren und hat, bis er an die Gleisen ging, seinem gesamten Umfeld und am Ende selbst seiner Frau etwas vorgemacht, was er nicht war. Seinen Selbstmord und die Art und Weise emfinde ich als ausgesprochen egoistisch, weil er mit seinem Tod seine Frau und das Kind, für das beide sich erst vor wenigen Monaten entschieden haben, alleine gelassen hat, seiner Frau nach dem Tod der Tochter ein weiteres Mal große Schmerzen bereitet hat und einen anderen indirekt "zum Vollstrecker seines Todes gemacht hat".

  3. Icon Oliver
    15. November 2009

    Was mich am meisten bestürzt ist die Tatsache, dass die Leute schnell wieder zur Realität zurückkehren und sich weder mit seiner Krankheit noch mit der Tragweite seines Suizid auseinandersetzen werden.

    Wenn ich die Berichterstattung in einigen Medien verfolge und erlebe, wie sie gegen ihren selbstauferlegten Codex verstoßen, dreht sich mir der Magen um. Von Selbstkritik keine Spur. Ein guten Artikel gibt es auch beim Spiegelfechter: Der Freitod eines Torwarts und die Ethik.

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