Bewegungsprofil
Wo ich mich aufhalte oder in letzter Zeit gewesen bin, geht keinen was an. Ansonsten hätte ich Lokalisierungsdienste wie Gowalla, Foursquare oder Google Latitude genutzt. Darauf habe ich aber keinen Bock.
Ausgerechnet mein iPhone erstellt ungefragt ein Bewegungsprofil von mir, welches mit jedem Backup via iTunes auf meinen Rechner abgelegt wird. Natürlich könnte eingewendet werden, dass diese Daten nur auf dem Rechner gespeichert werden, aber allein schon die Tatsache, dass diese Daten gesammelt und mittels Open-Source-Software wie iPhone Tracker ausgelesen und visualisiert werden können, bereitet mir Magenschmerzen.
Zu welchem Zweck diese unverschlüsselten Daten gesammelt werden, wird wohl nur Apple erklären können. Den Datenschützern haben sie jedenfalls ein dickes Ei ins Nest gepackt.
MehrAtomaustieg
Macht Euch die Erde untertan.
So könnte man sinngemäß Genesis I.28 zitieren. Doch eigentlich sollte es für den Menschen heißen: Lebe im Einklang mit der Natur, denn Du bist ein Teil davon.
Das schwere Erdbeben in Japan, der verheerende Tsunami und die anschließenden Explosionen der Reaktoren 1 und 3 in Fukushima I zeigen, wie hilflos der Mensch den Naturgewalten ausgeliefert ist. Sie zeigen aber auch, dass in Bezug auf die Atompolitik ein radikales Umdenken nicht nur von Seiten der schwarz-gelben Regierung, sondern aller Regierungen weltweit erforderlich ist.
Diese Ereignisse befeuern von neuem die Diskussion vom Ausstieg aus der Kernenergie. Die Menschen sind inzwischen derart sensibilisiert, dass sich keine Regierung einer solchen Diskussion mehr verschließen kann.
Seit Tschernobyl steht fest, dass der Mensch die Natur nie beherrschen wird, schon gar nicht die Kernkraft. Wer immer noch an Atomenergie als Brückentechnologie glaubt, sollte spätestens seit den Explosionen in Fukushima I eines Besseren belehrt sein. Zu risikoreich und zu unberechenbar.
MehrKulturelles Wochenende
Je höher die Kultur, desto reicher die Sprache.
Besser als mit den Worten von Anton Tschechow kann ich mein kulturelles Wochenende nicht beschreiben. Denn so vielfältig es war, so viel Spaß hat es gemacht.
Freitag: Walk the line
Mein Wochenende begann am Freitag mit einem Musik-Text-Kabarett-Projekt zugunsten der Dortmunder Mitternachtsmission e.V. im Theater im Depot. Murat Kayi, Boris Gott und Ilhan Atasoy, auch "König vom Borsigplatz" genannt, präsentierten einen Abend mit Musik und witzigen Texten.
Schreibmaschinen sorgten dafür, dass das Publikum sich auf Murat Kayis literarischen Spielplatz ungehindert austoben konnten. Die anschließende Rezitation ließ in tiefe Abgründe des Publikums blicken. Außerdem bewies LesArt-Gewinner Rainer Holl, dass man aus Wörtern, wie Morgenröte, Reizdarm und Kassettenrekorder ein durchaus poetisches Gedicht machen kann.
MehrMit dem Internet zur Demokratie
Nichts ist mehr so, wie es einmal war. Die Luft für machtbesessene Despoten und Diktatoren wird zunehmend dünner.
Das Internet und die damit einhergehende soziale Vernetzung, erlaubt es den Bürgern, einen Blick über die Grenzen des Landes zu werfen und sich der staatlichen Doktrin zu entziehen. Sie schafft die Grundlage, Massenproteste in einer atemberaubenden Geschwindigkeit zu organisieren, deren Größe von den Staatsorganen völlig unterschätzt wurde.
Diese unangenehme Erfahrung musste schon Zine el-Abidine Ben Ali machen. Ausgehend von den Ereignissen in Tunesien glaubt Muhammad Husni Mubarak, mit Abschalten des ägyptischen Internets diese Demokratiebewegung im Keim ersticken zu können. Eine völlige Fehleinschätzung.
Der Gedanke an Freiheit und Demokratie ist bereits derart in den Köpfen der Leute verankert, dass eine Rückkehr zum autokratischen System unumkehrbar ist.
Die Tunesier und Ägypter haben nichts zu verlieren, aber viel zu gewinnen. Sie betreten demokratisches Neuland und dabei wünsche ich ihnen viel Erfolg.
Für Diktatoren heißt es: GAME OVER!
MehrVöllig überraschend
Seit zwei Tagen fehlen die Gardinen an der Tür der Wohnung unter mir. In ihr wohnte eine freundliche ältere Dame. Ich ging davon aus, dass sie ins Altersheim gezogen wäre, da sie seit einem Schlaganfall halbseitig etwas gelähmt war. Trotz ihrer Einschränkung machte sie regelmäßig die Treppe und traf sich mit Freundinnen beim Bäcker zum Kaffee.
Gerade traf ich den Hausmeister und erkundigte mich nach der Mieterin. Er sagte mir, dass sie letzte Woche wegen starken Schmerzen zum Arzt ging, der sie dann umgehend ins Krankenhaus einliefern ließ. Zwei Tage später starb sie.
Weshalb ich das hier schreibe, wo ich sie doch eigentlich gar nicht richtig kannte?
Ganz einfach, wenn ich es eilig hatte machte sie mir stets Platz auf der Treppe, weil sie mich stets mit ein freundlichen "Guten Morgen" in den Tag schickte oder einfach nur, weil ich diese nette Dame nicht einfach so vergessen will.
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