Olivers Weblog

Archiv für die Kategorie "kurzgefasstes"

Gossenjournalismus

Das am Samstag bei der Loveparade 19 Menschen auf tragische Weise ihr Leben verloren, macht betroffen und die Geschehnisse für jeden unbegreifbar.

Was mich allerdings so richtig zur Weißglut brachte, war die Tatsache, wie die Bild mit diesen Ereignissen umging. Das sie ein niveauloses Schmierenblatt par excellence ist, dürfte hinlänglich bekannt sein. Das sie mit der Fotoveröffentlichung der abgedeckten Leiche eines jungen Ravers derart in die Geschmacklosigkeit abgleitet, ist selbst für ein Blatt wie diesem, ein Höhepunkt journalistischer Dilettanz.

So konnte ich gestern aus vielen Tweets zur herausgebrachten Fotostrecke Unverständnis herauslesen, aber auch bei Kollegen, die heute morgen diese Zeitung aufschlugen. Die Zurschaustellung dieses leblosen, auf dem Boden liegenden Körpers lässt jegliches Feingefühl der verantwortlichen Journalisten vermissen. Es offenbart die Art und Weise, wie dieses Blatt mit der Würde und Achtung des Toten umgeht und zeigt keinerlei Respekt dessen Angehörigen gegenüber, die nun mit dieser Tragödie leben müssen.

Sensationsgier und Kommerz stehen an erster Stelle, zum Teufel mit Moral und Anstand.

Journalistisch fundierte Berichterstattung sieht anders aus und deshalb sah ich mich genötigt, eine Beschwerde wegen Verstoßes gegen den Pressekodex beim Presserat einzureichen.

Es wird Zeit, diese Art von Gossenjournalismus aus unserem Tagesgeschehen zu verbannen.

Loveparade 2010

The Art Of Love

Unter dem Motto "The Art Of Love" beginnt morgen in Duisburg die Loveparade.

Eigens dazu hat der Eigentümer das stillgelegte Areal des ehemaligen Güterbahnhofs von Gleisen beräumt und jede Menge Schotter platt walzen lassen. Wieviel Schotter hier tatsächlich begraben liegt, werden Duisburgs Bürger wohl nie erfahren.

Ob es für Duisburg letzten Endes wirklich ein einträgliches Geschäft wird, lässt sich erst am Ende sagen. Aufgrund der desolaten Haushaltslage durfte die Stadt keine städtischen Gelder zur Finanzierung verwenden.

Dank des Hauptsponsors McFit, der etwa drei Millionen Euro zur Verfügung stellte, dürfen nun 15 Trucks, sorry Floats zehn Stunden lang im Kreis fahren. Vielleicht hätte die Fitnesskette der Stadt das Geld besser für Arbeitsplätze, Bildung oder Kinderbetreuung spenden sollen.

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Still-Leben Ruhrschnellweg

Still-Leben Ruhrschnellweg

Das Kunstprojekt der RUHR2010 Still-Leben Ruhrschnellweg ist vorbei.

Als ich mich heute Nachmittag auf den Weg zur A40, der am stärksten befahrenen Autobahn Nordrhein-Westfalens, machte, hatte ich noch keine Ahnung was mich dort erwartete. Das Stillleben nicht gleichbedeutend mit Stillstand ist, war mir klar.

Das sich heute auf der A40 aber fast drei Millionen Menschen aus'm Pott und wer weiß wo sonst noch her ein gemütliches Stelldichein gaben, verschlug mir die Sprache.

An der mit 60 Kilometern längsten Tafel der Welt, die von Duisburg bis Dortmund reichte, traf ich nicht nur den einheimischen Fußgänger und Radfahrer, nee der Ruhrschnellweg entwickelte sich auch zur einer kultur-, generations- und nationenübergreifenden Begegnungsstätte, die zum Gedankenaustausch, Tanzen oder Musizieren einlud.

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Spanien ist Weltmeister

Nach den hitzigen Fußballwochen, die voll von Überraschungen waren, ist es nun Spanien, die den Pokal mit nach Hause nehmen. Oranje hat es wieder nicht geschafft. Na so ein Pech. Danke an Paul den Kraken, ich hatte nichts anderes erwartet.

Deutschland schaffte nach einer Zangengeburt, noch gerade so den dritten Platz. Die Leistung der deutschen Mannschaft war großartig, aber irgendwie ist das auch ihr Job. Ebenso die des Trainers Joachim Löw. Ob dafür nun unbedingt das Bundesverdienstkreuz verliehen werden muss, kann ich nicht ganz nachvollziehen.

Wenn uns jetzt der schnöde Alltag wieder einholt, werden wir alle merken, dass 15,9% auf Dauer eine verdammt unangenehme Zahl sein kann. Dann werden wir uns nach dem 4:1 gegen Argentinien garantiert noch zurücksehnen.

Ramba Zamba

Es geht heiß her in Südafrika und Deutschland. Dabei habe ich nicht unmittelbar ein Fußballspiel dieser beiden Mannschaften vor Augen.

Im Unterschied zu Deutschland liegt die Hitze der Südafrikaner wohl eher in der Fußballweltmeisterschaft begründet. Das Eröffnungsspiel zwischen Südafrika und Mexiko (1:1) kann als überaus fair bezeichnet werden.

Im krassen Widerspruch dazu die Blutgrätsche der Bundesregierung in Form ihres Sparpakets, in dessen Spielverlauf der Schiri sicher einen Elfmeter gegeben hätte, um es mal salopp auszudrücken. Noch dazu die gescheiterten Koalitionsgespräche in NRW zwischen SPD, Grüne und FDP, die zum sofortigen Spielabbruch hätten führen müssen. Das Spiel bzw. die Wahl hätte neu angesetzt werden müssen, doch die Meinung der Wahlfans dürfte im monotonen Summen der Vuvuzela ungehört untergehen.

Es könnte durchaus sein, dass wir bei der WM 2010 ein Sommermärchen und hier bei uns eine Sommerposse erleben dürfen.

Der Vorteil eines Fußballspiels liegt deutlich auf der Hand, nach 90 Minuten wird abgepfiffen, wohingegen uns die Politik mit einem Endlosspiel beglückt.

Bei den Fans und den Wählern hat sie sich jedenfalls disqualifiziert.