Die Kuh
Draußen auf der Weide,
steht 'ne Kuh, schwarz-bunt.
Steht mit ihren Stelzen,
auf saftig grünem Grund.
Ihr schmeckt das Gras ganz lecker,
auch macht sie manchmal Muh,
sie frisst ohne Gemecker,
die Weide ab im Nu.
So wird sie groß und kräftig,
dick und kugelrund.
Ich mag sie eher deftig,
ab in meinem Mund.
Schmuddelwetter
Kalter Wind
peitscht nasses Laub
über die Straße.
In den Pfützen
treiben chaotisch
vergilbte Blätter.
Vorbei die Zeit satten Grüns.
Mit seinem unsichtbaren Pinsel
hüllt der Herbst
die Welt
in eine rot,
gelb-braune Pracht.
Hiroshima – Hoffnung
Tausend Kraniche erheben sich
und berühren Sadakos Seele.
Geleiten sie ins gold'ne Licht,
spenden Hoffnung, Trost und Zuversicht.
Mahnend hell der Glockenklang,
zu erinnern an die Toten.
Versiegt ist nun das Tränenmeer,
Kraniche als Friedensboten.
Hiroshima – Little Boy
Gleißendes Weiß
hüllt den Tag
in ein Leichentuch.
Der Todesengel erhebt sich
in den Himmel
und zeigt seine Macht.
Schreie ertrinken
im Tränenmeer.
Leiber werden in
Stein gebrannt.
Grauen erschaffen von
Menschenhand.
Die Nacht
Bevor der Nacht die Kraft entschwindet
und des Tages Glanz erwacht,
umarmend an sich Sterne bindet,
aufbegehrt mit aller Macht.
Liegt abgelebt in letzten Zügen,
ausgehauchte Lebenszeit,
dem Kreislauf folgend, kann nicht trügen,
der Tag ist da, bringt Helligkeit.
Der Tag
Bevor des Tages Licht erlischt
und die Nacht die Schatten frisst,
hüllt er seine Wolkenfetzen
in ein feuerrotes Kleid.
Er genießt die letzten Stunden,
doch die Nacht kommt unumwunden,
vorbei ist seine Lebenszeit,
die Nacht ist da, bringt Dunkelheit.
Der Baum
Inmitten einer grünen Wiese,
umgeben von gelben Kornfeldern,
steht einsam,
vom Wind gebogen,
dem Wetter trotzend,
ein Baum.
Seine weitausladende Krone
wirft im grellen Licht
der aufgehenden Sonne,
einen dunklen Schatten
in das helle,
mit Tau bedeckte Grün der Wiese.
Das leise, kaum wahrnehmbare Rascheln
der vom Wind berührten Blätter,
scheinen der Wiese eine
Geschichte zu erzählen.
Joshua
Ein tiefer Riss im Herzen,
Ohnmacht überall.
Unendlich große Schmerzen,
endlos tiefer Fall.
Ich hätt' alles dafür gegeben,
ihn schreien zu hören.
Nur eine Sekunde Leben,
die Chance blieb ihm verwehrt.
Unendlich große Schmerzen,
das Leben muss weitergeh'n.
Du bleibst in uns'ren Herzen,
wir werden uns wiederseh'n.
Frühling
Erste Sonnenstrahlen reißen die Erde
aus ihrer weißen Umklammerung.
Dort wo das Schwarz der Erde hervorschaut,
reckt sich das erste Grün dem Licht entgegen.
Hier und da blühen Schneeglöckchen,
Boten des Erwachens.
Im Buchladen
Unsre Blicke kreuzen sich,
die Welt versinkt in Schweigen.
Ein Augenblick nur Du und ich,
so könnt es immer bleiben.
Ein sanftes Lächeln kommt zurück,
ich kann's kaum glauben.
Ich habe heute wirklich Glück,
ich seh Dir in die Augen.
Du nimmst das Buch, lächelst kurz,
dann bist Du schon verschwunden.
Ich genieße noch den Augenblick,
die wundervoll'n Sekunden.
